Startseite > 2007-04-04 Freie Presse

2007-04-04  

Großes Kompliment vom Star aus dem Fernsehen

Radsport: Zschopauer Marcus Burghardt kletterte erstmalig bei einem internationalen Rennen aufs Podest - Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix im Visier

Am Sonntag fällt bei der Flandern-Rundfahrt der Startschuss für eine Reihe internationaler Top-Rennen im April. Der Zschopauer Radprofi Marcus Burghardt wird vermutlich seine bestechende Form in die Dienste von T-Mobile-Kapitän Andreas Klier stellen. Sollte Klier nach seinem Jochbeinbruch nicht rechtzeitig fit werden, winkt ihm die Chefrolle.

Von Thomas Prenzel

Harelbeke. Die letzten Tage musste sich Marcus Burghardt in seinem neuen Zuhause im Schweizer Auenstein noch so manches Mal ins Ohr zwicken. Nein, das war kein schöner Traum, der irgendwann zu Ende ist. Der Zschopauer hatte vergangenen Samstag wahrhaft seinen bisher größten Erfolg bei den Männern gefeiert. Als Dritter stand der 23-Jährige beim Halb-Klassiker "E3 Prijs Vlaanderen" auf dem Podium, und dies neben den Topstars Tom Boonen (Quickstep/Weltmeister 2005) und dem Schweizer Zeitfahr-Weltmeister Fabian Cancellara (CSC).

"Unglaublich. Noch vor zwei, drei Jahren kannte ich die Stars wie Boonen oder Cancellara nur aus dem Fernseher. Und jetzt stehe ich mit ihnen auf dem Podest", sagte Marcus Burghardt der "Freien Presse". Nach 203 km mit Start und Ziel in Harelbeke ließ der Erzgebirger im Spurt der Spitzengruppe den Italiener Manuel Quinziato (Liquigas) hinter sich. An der 1000-Meter-Marke hatte der T-Mobile-Profi sogar attackiert, um die spurtstarken Boonen und Cancellara eventuell zu distanzieren. "Doch ich habe mich verschalten, hatte sie dann gleich wieder am Hinterrad und deshalb keine Chance mehr."

Mit der starken Leistung rechtfertige er das Vertrauen seines Rennstalls, der den Jungprofi nach Kliers Missgeschick zum Kapitän dieser belgischen Frühjahrsrennen bestimmt hatte. Schon wenige Tage zuvor zeigte Burghardt, dass er seine Knie-Operation vom vergangenen Sommer bestens verkraftet hat: Beim Rennen "Dwars door Vlaanderen" verblüffte er die Fachwelt mit seiner offensiven Fahrweise. Und schließlich hatte er großen Anteil daran, dass der Franzose David Boucher nach langer Solofahrt wieder geschnappt wurde. "Allerdings haben mir dann zum Schluss etwas die Kräfte gefehlt. Deshalb bin ich bei Harelbeke nur noch den Favoriten hinterher gesprungen", erzählt Marcus Burghardt, einst Schützling von Klaus Fischer beim RSV Venusberg, wie schnell er als junger Hase bei den Großen dazu gelernt hat.

Ausgezahlt hatte sich zudem, dass der Zschopauer bei Paris-Nizza (11. bis 18. März) seine Kräfte schonen konnte, nur an zwei Tagen Teamarbeit leisten musste. Der anschließende Lehrgang auf Mallorca mit täglich sechs Stunden Radtraining brachte ihn so richtig in Schwung. Auch sein Trainer Thomas Schediwie zeigte sich sehr zufrieden. Burghardt: "Dieser dritte Platz gibt mir sehr viel Moral für die Flandern-Rundfahrt. Ich kann mit den Großen mithalten."

Topfavorit bleibt freilich Klassiker-Spezialist Tom Boonen, vor allem bei Paris-Roubaix, dem Klassiker schlechthin, auf den sich auch Marcus Burghardt schon riesig freut. Boonen wurde im Finale in Harelbeke von Krämpfen geplagt, spendete im Ziel ein dickes Lob: "Es war ein großes Verdienst von Marcus, dass wir zu viert vorn angekommen sind. Er ist bei allem hinterher gestiegen, was sich bewegt hat", meinte der Belgier nach seinem vierten Sieg in Folge in Harelbeke. Ein Kompliment von einem ganz Großen des Radsports - davon träumt jeder junge Radprofi...

April-Termine
Flandern-Rundfahrt (8.), Baskenland-Rundfahrt (9. bis 14.), Rund um Köln (9.), Gent - Wevelgem (11.), Paris - Roubaix (15.), Amstel-Gold-Race (22.), Niedersachsen-Rundfahrt (25. - 29.), Wallonischer Pfeil (25.), Lüttich-Bastogne-Lüttich (29.)

Startseite