"Das Hauptproblem im Profisport ist das Geld"
Radsport: Präsident Uwe Richter und Trainer Klaus Fischer vom RSV Venusberg nehmen Stellung zum Doping
Venusberg. Wer gedacht hatte, ein Ehrenkodex könnte dem Doping im Radsport entgegen wirken, wurde bitter enttäuscht. Nach den Fällen Stefan Schumacher und Bernhard Kohl droht der Totalzusammenbruch. 2009 wird die Übertragung der Tour de France im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gestrichen, die Deutschland-Tour gar nicht erst ausgetragen. Andreas Bauer sprach mit Präsident Uwe Richter und Trainer Klaus Fischer vom RSV 54 Venusberg über das Problem und seine Auswirkungen.
Freie Presse: Wie überraschend sind die jüngsten Enthüllungen für Sie?
Uwe Richter: Nach der großen Welle hatte ich eigentlich gedacht, dass dieses Problem zusehends abflacht. Ich war nicht so blauäugig, zu glauben, Doping ist von einem Tag auf den anderen aus der Welt. Aber die Hoffnung, dass große Skandale ausbleiben, bestand bei mir.
Klaus Fischer: In meinen Augen kommt es keineswegs überraschend. Doping ist ja ein generelles Problem im Leistungssport. Und wenn man sieht, wie viele Weltrekorde in Peking im Schwimmen verbessert wurden, frage ich mich schon, woran das liegt. Die neuen Anzüge allein können es nicht sein. Das Problem für uns ist, dass vor allem der Radsport an den Pranger gestellt wird.
Freie Presse: Woran liegt das?
Fischer: In den meisten anderen Sportarten treten die besten Sportler in den Nationalmannschaften an. Das Ganze steht unter Staatsregie. Probleme wie Doping dringen da weniger nach außen. Die Radfahrer treten als Profis an und werden durch Sponsoren finanziert. Für einige Medien sind Skandale da natürlich ein gefundenes Fressen.
Freie Presse: Wirkt sich das Problem auch auf lokaler Ebene aus?
Richter: Ja, leider. Ich muss mir schon von einigen Leuten in der Öffentlichkeit makabere Fragen gefallen lassen. Die wollen zum Beispiel wissen, welche neuen weißen Kapseln es denn so gibt. Das ist zwar nicht ernst gemeint, tut mir aber dennoch weh.
Freie Presse: Kommt es dabei auch zu konkreten Vorwürfen?
Richter: Nein. Beschuldigt wurden ich und der Verein noch nie. Zum Glück haben die Leute da ein objektives Bild und keine Vorurteile. Der Glaube an einen sauberen Sport im Nachwuchsbereich ist nach wie vor da. Bei uns geht es ja auch nicht nur um Erfolge. Wir wollen Kinder und Jugendliche von der Straße holen, um ihnen zu einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung zu verhelfen.
Fischer: Ich kann nur versichern, dass in unseren Reihen alles sauber zu geht. Wenn die Jungs dann mal groß sind und ihren eigenen Weg beschreiten, kann man für niemanden seine Hand ins Feuer legen. Das Hauptproblem im Profisport ist das Geld. Wenn Millionen im Spiel sind, werden von manchen Leuten eben alle Mittel ausgeschöpft.
Freie Presse: Mit Marcus Burghardt hat es ja ein Fahrer aus Ihrem Verein zu den Profis geschafft. Welche Rolle spielt er in dieser Situation?
Fischer: Mit ihm haben wir eine besondere Persönlichkeit an Bord. Er wird oft auf Doping angesprochen und bezieht dabei eine klare Position. Er verurteilt es.
Richter:Die Nachwuchssportler nehmen sich ihn zum Vorbild und sind stolz, ein Trikot des Marcus-Burghardt-Junior-Teams zu tragen.
Freie Presse: Warum sind Sie sich sicher, dass er der Verlockung des irregulären Erfolgs widersteht?
Fischer: Marcus gehört zur neuen Generation der Radsportler. Der Kampf gegen Doping hat in ihrer Entwicklung eine wichtige Rolle gespielt und ihre Einstellung geprägt. Außerdem kenne ich seinen Charakter sehr gut, da ich ihn schon als U-11-Sportler trainiert habe.
Richter: Mich überzeugt vor allem die Art und Weise, wie stark er sich für den Nachwuchs einsetzt.
Freie Presse: Droht dem RSV trotz Burghardts Unterstützung bei einer Fördermittel-Kürzung eine Krise?
Fischer: Von diesem Geld kommt auf unserer Ebene sowieso wenig an, obwohl wir ein Talente-Stützpunkt sind. Für uns ist die Unterstützung der lokalen Sponsoren, die uns vieles ermöglichen, deutlich wichtiger.
Richter: Und genau deshalb ist es wichtig, für das positive Image des Nachwuchs-Radsports zu kämpfen. Unser Verein hat sich einen enormen Status erarbeitet. Alle Sportler, Eltern und Verantwortlichen stehen zu einem sauberen Sport.