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2010-02-04  


Räder per Post nach Venusberg unterwegs
Radsport: Zschopauer Profi Marcus Burghardt beginnt Rennsaison in Katar - Neue Hoffnungen im dritten Team - Seuchenjahr abgehakt
Von Thomas Prenzel

Chemnitz. Im dritten Rennstall startet Marcus Burghardt in seine sechste Saison als Radprofi. Der Zschopauer, einst bei T-Mobile und dessen Nachfolger-Team Columbia-Highroad aktiv, rollt sich ab Sonntag bei der Katar-Rundfahrt im Trikot von "BMC" für die Frühjahrsklassiker ein. Das amerikanisch-schweizerische Pro Continental Team geht ins dritte Jahr seit seiner Gründung. Es ist der Nachfolge-Rennstall von Phonak, dessen einstiger Besitzer und Millionär Andy Rihs sich nach dem Dopingskandal um Floyd Landis zunächst aus dem Radsport zurückgezogen hatte und nun wieder kräftig investiert: Hauptsponsor BMC ist ein Schweizer Fahrradfabrikant, sportlicher Leiter der Belgier John Lelangue.

Vor der Saison wurden mit Ex-Weltmeister Alessandro Ballan (Italien), Weltmeister Cadel Evans (Australien), George Hincapie (USA) und Burghardt namhafte Renner verpflichtet. Saisonziel ist die Einladung bei der Tour de France, die auch den Sachsen nach dem verkorksten Vorjahr glücklich machen würde. "Columbia war einfach zu stark, da kam ich über Helferdienste nicht groß hinaus. Jetzt bin ich in einer besseren Position, wobei mir nicht automatisch die Kapitänsrolle bei den Frühjahrsklassikern zusteht. Die muss ich mir schon erarbeiten", schätzt der 26-Jährige seine Ausgangslage ein. Mit Ballan, der die Flandern-Rundfahrt bereits gewann, und Hincapie sind ebenso Spezialisten fürs Frühjahr unter Vertrag. Burghardt rechnet sich aber gute Chancen aus, als einer von zwei Kapitänen bei den Klassikern wie Paris-Roubaix am Start zu stehen. "Am Ende wird dann sowieso für den gefahren, der die besten Beine hat", glaubt der Erzgebirger.

Und diesbezüglich ist der 1,89 Meter lange Tour-Etappensieger (2008) guter Dinge. Wie gewohnt tankte er den Winter über bei Cross-Rennen Kondition, trat im Dezember und Januar auf Mallorca für die nötige Grundlagenausdauer kräftig in die Pedale. Trainer Thomas Schediwie war zufrieden mit den Leistungen. Sein Schützling holte sich Ende Januar im ersten gemeinsamen Team-Camp in Kalifornien den Feinschliff. Im "Sonnenland" goss es allerdings sechs Tage am Stück wie aus Gießkannen, worunter die Anzahl der schnell gefahrenen Kilometer litt. Dennoch zog Burghardt ein positives Fazit: "Ich konnte höhere Wattzahlen im tieferen Laktatbereich fahren als im Vorjahr zum gleichen Zeitpunkt. Die Form ist schon recht gut. Jetzt will ich die Rundfahrten in Katar, danach im Oman und Mitte März bei Tirreno-Adriatico nutzen, um Wettkampfhärte zu bekommen. Zum Auftakt der Frühjahrsklassiker möchte ich beim E3-Preis in Harelbeke schon gut drauf sein, um Ansprüche anmelden zu können", skizziert er den Fahrplan.

Deshalb ist Marcus Burghardt auch zum dritten Mal innerhalb seiner Wahl-Heimat Schweiz umgezogen. Von Auenstein über Steinmaur wohnt der Sachse jetzt in Tägerwilen nahe Kreuzlingen am Bodensee. Hauptgrund sei die Nähe zu anderen Radprofis wie Andreas Klöden, Bert Grabsch, Linus Gerdemann oder Gerald Ciolek, mit denen er künftig die eine oder andere Trainingsrunde drehen will. Auch ist Rosenheim, wo seine Freundin Maria wohnt, nun auf kürzerem Wege zu erreichen.

Sportlich kann es im Vergleich zu 2009 fast nur besser werden. Mehrfach Sturzpech, Reifenpannen, Zahnschmerzen vor seinen geliebten Frühjahrsklassikern und letztlich die verpassten Teilnahmen an Tour und WM pflasterten eine Seuchensaison, die er abgehakt hat. Umso mehr freut es ihn, dass er trotz dieser Umstände ein Team fand, bei dem er sogar einen Zweijahresvertrag unterzeichnen durfte. "Das ist heute im Profiradsport viel wert, gibt auch etwas Sicherheit", meint Burghardt. Freuen dürfen sich so auch seine Schützlinge im gleichnamigen Junior-Team. Die bei den Vertragsgesprächen mit BMC ausgehandelten zwölf Räder gehen dieser Tage mit der Post nach Venusberg auf den Weg. Es werden sogar 13 sein, wie Sponsor Marcus Burghardt verriet: "Für meinen ersten Übungsleiter Klaus Fischer war auch noch eines drin."

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