Leipziger Volkszeitung

Felix Groß mischt in der deutschen Spitze mit
von Norbert Töpfer

Felix Groß ist keinesfalls beleidigt, wenn er gefragt wird, ob er ein Radsport-Verrückter ist. "Klar bin ich das. Ich will doch was erreichen.", sagt der 15-Jährige. Die Augen von Vater Mike leuchten, als er die Worte des Juniors hört. Dennoch ist das derzeit größte Leipziger Rennfahrer-Talent bescheiden. Erst auf Nachfrage rückt er damit heraus, dass er derzeit die deutsche Rangliste seiner Altersklasse auf der Straße anführt. Zudem wurde er in den Nationalkader berufen

Das Ziel des Sportgymnasiasten ist eindeutig: "Ich will Profi werden." Sein Vorbild ist Weltklasse-Sprinter André Greipel. Allerdings hat Groß nicht den Tunnelblick für seinen Sport. "Ich will das Abi machen, bekomme das trotz des hohen Trainingspensums gut hin." Der Vater ergänzt: "Meine Frau und ich legen großen Wert auf die Ausbildung. Felix hat einen guten Zweier-Schnitt. Er wird die 11. und 12. Klasse auf drei Jahre strecken. Damit kann er Sport und Schule gut verbinden.", sagt der 46-Jährige, der bei der Allianz arbeitet. Er war früher selbst Radrenner. Mutter Kathleen (46), die in einem Steuerbüro tätig ist, war Leichtathletin. In der Familie dreht sich sehr viel um den Radsport. Felix' Bruder Franz (13) ist auch ein ambitionierter Renner beim SC DHfK.

Dort begann der große Groß ebenfalls seine Karriere. Er wechselte allerdings vor drei Jahren zum Marcus-Burghardt-Juniorteam in Venusberg. Manager Klaus Fischer erkannte das Talent des Leipzigers. In der vom Tour-Etappensieger (2008) geförderten Formation hat Groß bessere materielle Voraussetzungen, sich zu einem Top-Fahrer zu entwickeln als beim DHfK. Er bekommt dort die komplette Ausrüstung für die Straßenrennen gestellt. Experten gegen dabei von 15.000 Euro aus.

Allerdings trainiert Groß in Leipzig unter Regie von Stützpunkt-Händler Roland Hempel, der ihn auch zu den Wettkämpfen begleitet. Apropos Begleitung: Die Eltern sind bei jedem Wettkampf des Juniors dabei. "40.000 Kilometer kommen da im Jahr zusammen", verrät Groß Senior lächelnd.

Für seine Karriere nimmt sein Sohn, der auch auf der Bahn zur deutschen Spitze zählt, ein hartes Programm in Kauf. Viermal jeweils drei Stunden pro Woche jagt er über die Straßen der Region. Dazu kommen zahlreiche Wettkämpfe plus dreimal wöchentlich der Profilsport im Gymnasium. Dennoch ist sein Elan ungebrochen. "Ich habe immer Lust aufs Rad zu steigen. Die Nase voll habe ich noch nie."

Wolfgang Schoppe (72), ehemaliger Vizepräsident des Bundes Deutscher Radfahrer, hält große Stücke auf Groß: "Er hat gute Voraussetzungen, ein richtig Guter zu werden, auch weil das Elternhaus hinter seinem Sport steht. Felix ist schon jetzt ein richtiger Kämpfer."

Trainer Hempel lobt seinen Schützling. "Felix hat alle Voraussetzungen für eine große Karriere, sein Leistungssprung im letzten Jahr war Wahnsinn. Immerhin hat er das Sichtungsrennen der deutschen Spitze auf der über 2000 Meter gewonnen. Dass er Ambitionen hat, Profi auf der Straße zu erden, kann ich verstehen, denn dort wird das Geld verdient", weiß der 56-Jährige.

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