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Der Mann für alles geht in Vollrente


Wenn Sportler in orangefarbenen Trikots auf den Straßen des Erzgebirges strampeln, hängt meist ein Grauhaariger am Hinterrad. Wenn nicht, sitzt er am Steuer des Begleitfahrzeugs. Und das seit Jahrzehnten. Heute aber wird gebummelt: Klaus Fischer feiert 65. Geburtstag.

Von Thomas Schmidt


Drebach - Zwischen Gustav Adolf Schur und Marcus Burghardt liegen Generationen. Klaus Fischer zeigt dennoch Fotos, auf denen er mit den Radsportgrößen zu sehen ist. Dem einen, "Täve", hat er bereits vor mehr als einem halben Jahrhundert als Steppke an der Strecke zugejubelt, dem anderen das Basiskönnen für die Tour de France vermittelt. Der Vorsitzende und Trainer des RSV 54 Venusberg ist mit seinem Verein gewachsen. Und mit ihm viele andere.

"Für mich der wichtigste Trainer."

Marcus Burghardt

Tour-de-France-Etappensieger


Im Laufe der Jahre hat sich vieles geändert - die Bedingungen, das System, das Material, die Technik. Nur eine Konstante gibt es: Klaus Fischer. "Er macht einfach alles, kümmert sich vom Training bis zur Berichterstattung um jedes Detail", sagt Martin Bauer, der seit 13 Jahren unter den Fittichen des Jubilars fährt. Und Marcus Burghardt setzt noch einen drauf: "Klaus Fischer war für mich der wichtigste Trainer. Er hat mir den Radsport von Grund auf beigebracht."

In dieser Art skizzieren viele den couragierten Mann. "Mit Reden gewinnt keiner Rennen. Radsport beginnt, wo es weh tut", sagt Fischer wehmütig, denn Kinder mit Biss sind selten. Deshalb tut es doppelt gut, wenn so etwas wie 2008 passiert. Damals, als Burghardt bei der Tour der France gewann und nach seinem Meisterstück einem weltweiten Millionenpublikum im Fernsehen mitteilte: "Das hat mir mein erster Trainer Klaus Fischer beigebracht." In diesen Sekunden, so der 65-Jährige, lief es ihm eiskalt den Buckel runter. "Da sind die Strapazen all der Jahre wie weggeblasen."

Sie kommen aber wieder. Denn bereits zum 60. Geburtstag wünschte sich Klaus Fischer einen geeigneten Nachfolger. Bis jetzt Fehlanzeige. Also stemmt er es allein. "Um die 7000 Kilometer pro Jahr strample ich noch mit. Das Fünffache davon sitze ich im Kleinbus, um Sportler zum Training und zu Wettkämpfen zu begleiten. Die sind oft weit weg", sagt Fischer angesichts der Bundesliga- und Sichtungsrennen auf Bahn, Straße und im Gelände. Zudem müssen seine Jungs und Mädels aus vielen Orten "eingesammelt" werden.

Bereits mit 16 Jahren hat der Venusberger, dessen drei Jahre jüngerer Bruder Bernd als Mechaniker in der U-23-Nationalmannschaft arbeitet, seine erste Übungsleiterlizenz abgelegt - "und viel verkehrt gemacht". Inzwischen stimmt die Methodik, wie die Siege seiner Schützlinge zeigen. Denn mit Felix Zschocke und Felix Groß hat er im Vorjahr wieder zwei Talente zu Meistertiteln Deutschlands geführt. Mittlerweile hat er aber mehr damit zu tun Geld aufzutreiben als sich um Trainingspläne zu kümmern. "So ist das eben. Zu DDR-Zeiten hatten wir Geld, aber kein Material. Jetzt haben wir Material, aber kaum Geld." Und trotzdem: Auch wenn Klaus Fischer behauptet, jetzt Vollrentner zu sein, wird er wohl mit 70 noch Vorsitzender und Trainer des RSV Venusberg sein.


Bildtext: Klaus Fischer und Marcus Burghardt während eines Treffens nach dem Tour-de-France-Etappensieg. Der heutige Jubilar ist der unbestrittene Macher des Vereins RSV Venusberg. Unzählige Kinder haben bei ihm das Radrennfahren gelernt, tausende Kilometer war er auf den Straßen dieser Welt für den Sport unterwegs.

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