Venusberger bejubeln erstes Straßen-Gold

Weil Marcus Burghardt die Frankreich-Rundfahrt bestreitet, ist Felix Groß einst in dessen Juniorteam gewechselt. Der 17-Jährige ordnet dem Radsport alles unter, gewinnt Titel und bricht dafür sogar die Schulausbildung ab.

 

VON THOMAS SCHMIDT

 

VENUSBERG - 17 Jahre alt, 1,84 Meter groß, 68 Kilogramm schwer. Die Daten von Felix Groß lassen auf noch mehr hoffen als das, was er seinen Betreuern am Sonntag beschert hat: den ersten deutschen Meistertitel auf der Straße überhaupt. "Ein großer Tag in unserer Vereinsgeschichte", fasst es Trainer Klaus Fischer vom RSV 54 Venusberg zusammen.

 

Der seit sechs Jahren erfolgreich für das Marcus-Burghardt-Junior-Team fahrende Leipziger zog im hessischen Nidda im Sprint davon und gewann Gold. "Es hat alles gepasst. Ich wollte eine Medaille, habe mich stark gefühlt", sagte der glückliche Gewinner, als er nach der sechsmal zu bewältigenden 22,8-Kilometer-Runde alle anderen Junioren hinter sich gelassen hatte. "Der Kurs war super für mich, nicht zu bergig. Das hat mir in die Karten gespielt", analysiert Felix Groß, nachdem er fast dreieinhalb Stunden mit einem Durchschnittstempo von 41 km/h im Sattel gesessen hatte.

 

Der junge Mann, der im bayrischen Feuchtwangen geboren wurde, fährt seit zehn Jahren Rad. Begonnen hat er bei der DHfK in Leipzig, nachdem seine Familie nach Sachsen zurückgekehrt war. Schon damals war der Junge fasziniert von den orangefarbenen Trikots und der Ausrüstung des Marcus-Burghardt-Junior-Teams aus Venusberg. "Da wollte ich auch hin", erinnert sich der Messestädter. "Vor allem wegen Marcus Burghardt", fügt er an. Nun fährt er das sechste Jahr für die Erzgebirger, denen er bereits 2014 auf der Bahn einen fetten Erfolg bescherte: Meister im Omnium, der erste Titel für den RSV Venusberg im vereinten Deutschland.

 

"Den jetzigen hänge ich aber höher. Schließlich will ich mal zur Tour de France, die gibt es auf der Bahn nicht", so der Leipziger, der gerade die elfte Klasse am Sportgymnasium beendet hat. Eine zwölfte wird es nicht geben. "Ich breche die Schule ab, hoffe auf eine Förderstelle bei der Bundespolizei. Wenn's nicht klappt, fange ich eine Lehre als Bürokaufmann bei meinem Vater an", so der 17-Jährige, der täglich trainiert und rund 400 Radkilometer pro Woche abspult. "Felix ist ehrgeizig, schläft ausreichend, ernährt sich gezielt", lobt Trainer Fischer. Stets unterstützt wird der Junge von den Eltern, speziell seinem Vater Mike, der einst mit dem Straßen-Vierer DDR-Vizemeister werden konnte. Die Mutter war Leichtathletin, sodass es nicht verwundert, dass auch der 15-jährige Franz in sportliche Fußstapfen tritt. "Er ist auf der Bahn schneller als ich in diesem Alter", lobt Felix Groß seinen Bruder.

 

Derzeit aber steht der Ältere im Mittelpunkt, hofft nun, dass namhafte Teams anklopfen. Zeit, aufs Klopfen zu warten, gibt es aber keine. Kommendes Wochenende stehen in Luckau die deutschen Titelkämpfe im Zeitfahren an: "Auf den 26 Kilometern muss ich mich zeigen." In einem Monat folgt in der Schweiz ein weiterer Höhepunk - die Junioren-Weltmeisterschaft in Aigle, die als Omnium auf einer Holzbahn ausgetragen wird. Mitte Oktober soll dann in Katar der absolute Höhepunkt folgen, die Junioren-Weltmeisterschaft auf der Straße. "Ein idealer Kurs für Sprinter. Ich will, dass der Bundestrainer bei der Nominierung nicht an mir vorbeikommt", so Felix Groß. Nach dem Junioren-Titel in Nidda dürfte sein Name im Notizbuch bereits unterstrichen sein. (mit kfis) Ergebnisse

 

 

Bildtext: Felix Groß reißt die Arme hoch und brüllt seine Freude heraus. Mit einer Radlänge Vorsprung gewann er in Nidda den Junioren-Titel.

 

FOTO: MIKE GROSS/RSV 

 

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