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Burg­hardt: Viel­leicht gibt es ei­ne Chance

 

Am Don­ners­tag be­ginnt die Deutschlandtour der Rad­sport­ler. Die Ambitio­nen der säch­si­schen Star­ter sind unter­schied­lich.

 

VON KNUT BER­GER

 

CHEM­NITZ/HAN­NO­VER - Die Quan­ti­tät mit 132 Fah­rern aus 22 Mann­schaf­ten stand schon längst fest. Jetzt ist auch klar, dass sich da­zu ei­ne ho­he Qua­li­tät ge­sel­len wird. Wenn am Don­ners­tag in Han­no­ver die Deutsch­land­tour be­ginnt, steht ab­so­lu­te Rad­sport­pro­mi­nenz am Start. So wer­den un­ter an­de­rem mit Ju­li­an Ala­phil­ip­pe (Frank­reich), Vin­cen­zo Ni­ba­li (Ita­li­en) oder Cal­eb Ewan (Aus­tra­li­en) drei Pe­dal­eu­re da­bei sein, die bei der dies­jäh­ri­gen Tour de Fran­ce Etap­pen ge­wan­nen. Ins­ge­samt ge­hen 15 World-Teams, das sind Mann­schaf­ten der höchs­ten Pro­fi­ka­te­go­rie, an den Start der Rund­fahrt, die nach ei­ner zehn­jäh­ri­gen Pau­se 2018 wie­der ak­ti­viert wur­de. „Die­ses gro­ße In­ter­es­se der bes­ten Teams der Welt zeigt, wel­chen Stel­len­wert sich die Deutsch­land­tour nach der Pre­mie­re im letz­ten Jahr erarbei­tet hat“, mein­te Clau­de Rach, der Ge­schäfts­füh­rer der ver­an­stal­ten­den Gesellschaft zur För­de­rung des Rad­sports.

Doch nicht nur die aus­län­di­schen Fah­rer wol­len sich auf den über 700 Ki­lo­me­tern – von Han­no­ver über Hal­ber­stadt, Mar­burg, Göt­tin­gen, Ei­se­nach bis nach Er­furt – ih­re Me­ri­ten ver­die­nen. Auch die deut­schen Pro­fis ha­ben sich für die Tour, die vom Rad­sport-Weltver­band UCI in die höchs­te Ka­te­go­rie ein­ge­stuft wur­de, viel vor­ge­nom­men. So will das Team Bo­ra-hans­gro­he aus dem baye­ri­schen Raubling ei­ne kom­plett deut­sche Mannschaft an den Start brin­gen. Das Auf­ge­bot führt Ema­nu­el Buch­mann, überragender Vier­ter der Tour de Fran­ce, an. Da­zu kom­men un­ter an­de­rem Pas­cal Acker­mann, der Zwen­kau­er Rü­di­ger Se­lig so­wie Mar­cus Burg­hardt. Ei­gent­lich soll­te der ge­bür­ti­ge Zscho­pau­er schon im Vor­jahr bei der Pre­mie­re teil­neh­men, wur­de dann aber kurz­fris­tig für die zeit­gleich statt­fin­den­de Vu­el­ta in Spa­ni­en no­mi­niert.

 

„Jetzt ste­hen aber al­le Zei­chen auf Deutsch­land­tour“, ver­si­cher­te der 36-Jäh­ri­ge am Diens­tag. Nach sei­ner 11. Teil­nah­me an der Frank­reich­rund­fahrt leg­te der 1,89 Me­ter gro­ße Pro­fi nicht et­wa ei­ne lan­ge Pau­se ein, son­dern war bei der Binck-Bank- Tour durch die Nie­der­lan­de und Bel­gi­en von 12. bis 18. Au­gust da­bei. Am ver­gan­ge­nen Sonn­tag fuhr er bei den Ham­burg Cy­clas­sics mit. Für das Heim­ren­nen fühlt sich der Vater zwei­er Töch­ter ge­rüs­tet. „Viel­leicht er­gibt es sich an ei­nem Tag, wenn die Stre­cke ein ty­pi­sches Klas­si­ker­pro­fil trägt, um den Etap­pen­sieg zu kämp­fen“, blick­te der Routinier vor­aus. Mit der Tour ver­bin­den ihn be­son­de­re Er­in­ne­run­gen. Denn der Borahans­gro­he-Fah­rer war schon 2008 da­bei, be­vor ein Jahr­zehnt Pau­se folg­te. „So viele Kol­le­gen dürf­te es im ak­tu­el­len Feld nicht mehr ge­ben, die da­mals in der Start­lis­te stan­den“, ist sich Burg­hardt si­cher. Er fin­det es je­den­falls sehr gut, dass es die Tour wie­der gibt. „Sie hat zwar noch nicht das For­mat von frü­her, als ei­ne gan­ze Wo­che gefah­ren wur­de. Aber für die ein­hei­mi­schen Fans und Spon­so­ren ist es enorm wich­tig, dass sie statt­fin­det.“

 

Auch in Oederan wird die Rund­fahrt ge­nau ver­folgt. Denn in der Klein­stadt hat der Haupt­spon­sor des Teams P & S Me­tall­tech­nik sei­nen Sitz. Die Mann­schaft wird als Conti­nen­tal-Team (un­ters­te Pro­fi-Ka­te­go­rie) ge­führt. Sie er­hielt ei­ne Ein­la­dung, weil sie der­zeit die Ge­samt­wer­tung der Rad-Bun­des­li­ga an­ge­führt. „Wir wis­sen, dass wir sportlich ei­gent­lich ei­ne Num­mer zu klein sind. Aber wir sind gleich­zei­tig auch dank­bar, bei die­ser stark be­setz­ten Rund­fahrt Er­fah­run­gen sam­meln zu dür­fen“, sag­te der sportli­che Lei­ter Lars Wa­cker­na­gel. Für sei­ne Jungs sei es ein gro­ßes Er­leb­nis, dass sie bis Sonn­tag in vol­len Zü­gen ge­nie­ßen soll­ten. „Und wenn wir oh­ne Druck die Auf­ga­be an­ge­hen, kann viel­leicht auch in den Re­sul­ta­ten noch et­was Po­si­ti­ves für uns heraussprin­gen“, blick­te der Team­chef vor­aus. In sei­nem Auf­ge­bot ste­hen mit To­bi­as Nol­de und Do­mi­nik Rö­ber zwei Fah­rer, die ei­ni­ge Jah­re bei Stef­fen Has­lin­ger am Chemnit­zer Bun­des­stütz­punkt trai­nier­ten. Au­ßer­dem wur­de Im­ma­nu­el Stark aus Stollberg in das Auf­ge­bot be­ru­fen.

 

ETAP­PEN­PLAN: 1. Etap­pe (Don­ners­tag): Han­no­ver - Hal­ber­stadt (167 km), 2. Etap­pe (Frei­tag): Mar­burg - Göt­tin­gen (202 km), 3. Etap­pe (Sonn­abend): Göt­tin­gen - Ei­se­nach (189 km), 4. Etap­pe (Sonn­tag): Ei­se­nach - Er­furt (160 km).

 

Bild­text: Der ge­bür­ti­ge Zscho­pau­er Mar­cus Burg­hardt fährt für das deut­sche Team Bora-hans­gro­he, das ei­ne gu­te Rol­le spie­len will. FO­TO: IMA­GO

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