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Ex-Mountainbiker träumt von WM-Medaille auf der Bahn

 

Lange hat Colin Rudolph im Gelände in die Pedalen getreten. Eher per Zufall wurde sein Talent für eine ganz andere Disziplin des Radsports entdeckt, in der er sich nun in Kolumbien mit der Weltelite misst.

 

Von Andreas Bauer

 

Pockau-Lengefeld - Eine Goldmedaille der U-19-Europameisterschaft hat Colin Rudolph bereits in der Tasche, doch das ist dem Radsportler des RSV 54 Venusberg nicht genug. Auch bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Kolumbien, zu der er diesen Freitag aufbricht, will sich der 17-Jährige zusammen mit Pete Flemming (Fürstenwalde) und Jakob Vogt (Breitenworbis) einen Podestplatz im Teamsprint sichern.

 

„Im Optimalfall könnte es wieder der Titel werden“, gibt sich Rudolph optimistisch. Schließlich sei das Trio aus Frankreich, das nun wieder zu den ärgsten Konkurrenten gehören dürfte, ja schon im Finale der EM in Portugal geschlagen worden. So eine mutige Ansage beeindruckt, hatte doch der Pedalritter aus dem Pockau-Lengelder Ortsteil Görsdorf mit dem klassischen Radsport anfangs nicht viel am Hut. Bahnrennen kannte er nicht mal aus dem Fernsehen, als er 2012 erstmals zu Wettkämpfen in den Sattel stieg. Mountainbike-Rennen waren damals die große Leidenschaft von Rudolph, der über Umwege quasi zu seinem Glück gezwungen wurde.

 

Als Geländefahrer ohne PS ging der Erzgebirger zunächst eine Saison für den RSC 93 Marienberg an den Start, später fuhr er offiziell für den SSV Altenberg. Doch eigentlich gehörten er und seine Freunde nicht wirklich zum Leistungszentrum im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Sie trainierten meist für sich. Benannt nach der Talsperre, in deren Umgebung sie die meisten Kilometer abspulten, nannten sie sich MTB-Racing-Team 19hain. Eltern kümmerten sich um Organisation und Betreuung.

 

Trotz des großen Engagements wurden die Bedingungen dem Anspruch irgendwann nicht mehr gerecht. „Wir brauchten mehr Training“, sagt Rudolph. So entstand der Kontakt zum RSV 54 Venusberg, dem sich die jungen Mountainbiker 2016 anschlossen. Zwar sollte der Fokus weiter auf dem Gelände liegen. „Aber ihr müsst auch einige Rennen auf der Straße bestreiten“, habe Trainer Klaus Fischer damals gesagt. Eine Bedingung, die sich für alle Beteiligten als Glücksfall herausstellte. Einige der Sportler – so wie Rudolph oder die Brüder Toni und Pepe Albrecht – entdeckten eine neue Liebe, der Verein neue Talente.

 

Vor allem bei den Sprintwertungen fiel sofort die Schnellkraft von Rudolph auf. Schon bald wechselte er daher an die Sportschule nach Chemnitz, die Bahn rückte immer mehr in den Fokus. „Mountainbikefahren macht immer noch Spaß“, so der 17-Jährige, doch wegen des Verletzungsrisikos gehören Cross-Country-Rennen der Vergangenheit an. Auf die dabei erlernten Fähigkeiten kann er dennoch bauen: „Gegner in die Enge treiben, taktische Spielchen, das Handling des Rads – all das kommt mir jetzt zugute.“ Drei nationale Titel auf der Bahn stellten 2021 den Durchbruch dar, der am 11. Juli errungene EM-Titel mit dem Team das erste internationale Ausrufezeichen, dem nun bei der Bahn-WM das zweite folgen soll. Im kolumbianischen Cali ist Rudolph am 23. August mit dem Team gefordert und drei Tage später im Einzelsprint.

 

 

Bildtext: Kurz vor der WM wurde Colin Rudolph von Trainer Klaus Fischer, Vereinskollegen und Bürgermeister Jens Haustein verabschiedet. Foto: Andreas Bauer