„Das härteste Rennen der Bundesliga-Serie“
Für Pepe Albrecht und Lennart Lein ist die Erzgebirgsrundfahrt ein Heimspiel. Die Radsportler schwangen sich am Sonntag bei der 46. Auflage mit rund 100 Startern in den Sattel – und mussten die Zähne zusammenbeißen. Die Tour verlangte ihnen alles ab.
Von Katja Lippmann-Wagner
Schwarzenberg - Anspannung vor dem Start der 46. Erzgebirgsrundfahrt? Bei Pepe Albrecht nicht. Der 19-Jährige, den der Venusberger Erfolgstrainer Klaus Fischer unter seinen Fittichen hatte, wirkt konzentriert und trotzdem gelassen. Dabei ahnt er schon, dass Familie, Freunde und Fans die Strecke säumen werden. „Ich weiß nicht, wo genau sie sind und was sie vorbereitet haben. Dass sie da sind, motiviert mich auf jeden Fall“, gab Pepe Albrecht wenige Minuten vor dem Start zu Protokoll. Er trägt das Trikot des Teams REMBE rad-net.
Ähnlich entspannt wirkt Lennart Lein. Beim SV Mittweidatal Raschau-Markersbach fand er als Kind zum Radsport. Die Erzgebirgsrundfahrt ist und bleibt sein Heimrennen. Eine Top-10-Platzierung wäre gut, sagt Lein und ist sogleich gemeinsam mit seinen Kollegen vom Team schnelleStelle p/b SC DHfK Leipzig verschwunden. Noch ein bisschen Einrollen stand für die Gruppe kurz vor dem Startschuss auf dem Programm.
Dann ging es bei strahlendem Sonnenschein an der Einsiedler-Brauerei in Chemnitz endlich los: 162 Kilometer durch die erzgebirgischen Berge. Zirka 3100 Höhenmeter mussten die 109 Starter dabei auch noch bewältigen. Steile Anstiege und Abfahrten wechselten sich ab. Zudem war die Strecke länger als in den Vorjahren. Das lag an der Vollsperrung zwischen Elterlein und Geyer, die eine zusätzliche Schluppe erforderlich machte.
Das Orga-Team des Chemnitzer Polizeisportverein (CPSV) als Ausrichter und Gastgeber des Bundesligarennens war bis zum Schluss gefordert. „Ich bin vergangenes Jahr die Erzgebirgsrundfahrt zum ersten Mal gefahren. Dieses Jahr war es auf jeden Fall härter“, sagte Pepe Albrecht nach dem Ritt. „Das habe ich auch von anderen Fahrern gehört. Überhaupt ist es das härteste Rennen der Bundesliga-Serie“, schätzte der Venusberger ein.
Als Scharfrichter entpuppte sich erneut die Bergwertung am Spiegelwald. Das musste auch Lennart Lein erfahren. Er gehörte zunächst zum Hauptfeld, nachdem sich sehr früh eine Spitzengruppe abgesetzt hatte: „Im Abschnitt Tannenberg habe ich mein Heil in der Flucht gesucht – und von da an war ich ganz alleine. Ich bin dann noch kurz zur Spitzengruppe vorgedrungen, aber an der Himmelsleiter wurde ich direkt wieder abgehängt“, berichtete Lennart Lein.
Die harte Tour verlangte den Teilnehmern alles ab, die Hälfte der Fahrer schied aus. Nur 52 tapfere Pedalritter rollten am Nachmittag in Einsiedel über den Zielstrich. Pepe Albrecht und Lennart Lein gehörten dazu. Zwar schafften es beide nicht unter die Top 10, doch ihre Leistung schmälert das nicht. Lennart Lein kam als 14. an, Pepe Albrecht erreichte den 17. Platz.
Zu den Freunden, die Albrecht entlang der Strecke unterstützten, gehörte sein ehemaliger Trainer Klaus Fischer. „Er ist für mich eine wichtige Person. Mit ihm verknüpfe ich meine Anfänge im Leistungssport. Er hat die Grundsteine gelegt. Es bedeutet mir sehr viel, dass er am Streckenrand steht und mich anfeuert“, so der 19-Jährige. Lennart Lein spürte ebenfalls einen sehr starken Rückhalt. Und das gleich an mehreren Stellen: „In Waldkirchen, am Kalkwerk und richtig viele Freunde standen dann an der Himmelsleiter.“ Auch in Eibenberg an der letzten Bergwertung sei noch einmal Bombenstimmung gewesen. „Das war schon cool.“ Dort ertönten die Lennart-Rufe besonders laut. Er selbst habe die Augen zugemacht und gekämpft, um das Rennen noch gut ins Ziel zu bringen.
Den Sieg der 46. Erzgebirgsrundfahrt sicherte sich Eike Behrens im Alleingang. Der Gesamtführende der Bundesliga vom Team Lotto-Kern-Haus-Outlet Montabaur hatte 17 Sekunden Vorsprung. Im Sprint um Platz 2 behielt der Chemnitzer Patrick Reißig vom Team Benotti-Berthold die Nase vorn. Er verwies Julian Borresch vom Team Rembe I rad-net auf den Bronze-Rang. (klin)
Zitat:
„Es bedeutet mir sehr viel, dass er am Streckenrand steht und mich anfeuert.“ Pepe Albrecht Radsportler